Professioneller Service im Personalbereich: Warum „alles möglich machen“ auf Dauer keine Lösung ist

Professioneller Service im Personalbereich: Warum „alles möglich machen“ auf Dauer keine Lösung ist

Professioneller Service im Personalbereich

Warum „alles möglich machen“ auf Dauer keine Lösung ist

 

Die Personalverwaltungen in vielen Organisationen stehen zunehmend unter Druck. Fachkräftemangel, steigende Fluktuation und wachsende Erwartungen an die Verwaltung als Arbeitgeber haben die Anforderungen an Querschnittsbereiche massiv erhöht. In dieser Situation entwickelt sich oft ein Serviceverständnis, das gut gemeint ist – aber strukturell nicht trägt: „Wir machen alles möglich, stellen keine Anforderungen und erfüllen möglichst viele Wünsche in möglichst kurzer Zeit.“ Das gilt dann als guter Service, die Realität sieht jedoch anders aus: Dieses reflexhafte Serviceverständnis führt nicht zu Entlastung, sondern zu Überlastung. Nicht zu Klarheit, sondern zu Intransparenz. Und nicht zu Zufriedenheit, sondern zu Frust – auf beiden Seiten.

 

Das Problem: Service wird mit Grenzenlosigkeit verwechselt

Ein unreflektiertes Serviceverständnis hat konkrete Auswirkungen im Arbeitsalltag: Anträge werden bearbeitet, obwohl sie formlos eingehen. Notwendige Unterschriften fehlen – trotzdem wird die Anfrage erledigt. Standards existieren zwar auf dem Papier, werden aber nicht konsequent umgesetzt. Fristen und Vorlaufzeiten? Nicht definiert. Priorisierungslogiken? Unklar. Die Folgen sind messbar und mitunter schwerwiegend. Im Personalbereich entstehen Rückstände, Rechtssicherheit leidet, Mitarbeitende arbeiten permanent am Limit. Bei den internen Kunden – Führungskräften und Mitarbeitenden in den Fachbereichen – wächst die Unzufriedenheit, weil Bearbeitungszeiten schwanken, Standards nicht nachvollziehbar und nicht vergleichbar sind und niemand genau weiß, woran man eigentlich ist. Das Paradoxe: Genau jenes Serviceverständnis, das Zufriedenheit steigern und Fluktuation senken soll, kann beides verschärfen. Denn wo Klarheit fehlt, sinkt Vertrauen. Wo Standards nicht greifen, entsteht Willkür. Und wo Prozesse von Einzelpersonen abhängen, ist die Servicequalität trotz der besten Vorsätze fragil.

 

Was Mitarbeitende wirklich erwarten

Professionelle Servicequalität entsteht nicht durch Kulanz, sondern durch Klarheit. Mitarbeitende in den Fachbereichen wünschen sich nicht individuelle Sonderlösungen, sondern verlässliche Standards. Sie wollen wissen: Welche Informationen muss ich liefern? In welcher Form? Bis wann? Wie lange dauert die Bearbeitung? An wen wende ich mich bei Rückfragen? Ein professionelles Serviceverständnis aus Sicht des Personalbereichs bedeutet: Mitarbeitende kennen die Leistungen, die sie erbringen – mit klaren Voraussetzungen und realistischen Zeiträumen. Anträge werden vollständig und formal korrekt bearbeitet, entlang definierter Prozesse. Priorisierungen sind nachvollziehbar und transparent. Der Personalbereich arbeitet planbar, rechtssicher und mit gleichbleibender Qualität – auch bei hoher Auslastung.

Aus Kundensicht fühlt sich professioneller Service so an: Ich weiß, welche Informationen ich wann in welcher Form liefern muss. Ich kenne die Bearbeitungszeit und meinen Ansprechpartner. Es gibt keine überraschenden Sonderregeln und keine Diskussionen nach dem Muster „bei anderen geht das aber“. Service ist fair, berechenbar und verlässlich. Auch ein „Das geht so nicht“ kann professionell sein – wenn es gut begründet, transparent und konsistent kommuniziert wird. Denn Servicequalität entsteht nicht durch Beliebigkeit, sondern durch Struktur. Standards schaffen Fairness, und klare Grenzen geben Orientierung.

 

Professioneller Service braucht bewusste Entscheidungen

Ein professionelles Serviceverständnis entsteht nicht von allein. Es braucht bewusste Entscheidungen: Was ist Standard? Was ist Ausnahme? Was leisten wir – und was bewusst nicht? Ohne diese Klärung bleibt Service reaktiv und personenabhängig. Entscheidend ist die Rolle der Führung. Führungskräfte im Personalbereich müssen diesen Wandel steuern – und von der Verwaltungsleitung Rückendeckung erhalten. Denn ein neues Serviceverständnis verändert nicht nur Prozesse, sondern auch die Identität des Personalbereichs. Dieser Wandel muss aktiv gestaltet werden, um Widerstände, Missverständnisse und Rückfälle in alte Muster zu minimieren.

 

Der systematische Weg zu professioneller Servicequalität

Wie lässt sich ein professionelles Serviceverständnis systematisch entwickeln und in der Organisation verankern? Drei aufeinander aufbauende Schritte haben sich in der Beratungspraxis bewährt.

Schritt 1: Standortbestimmung und Zielbild entwickeln

Der erste Schritt klärt zwei Fragen: Wo stehen wir heute? Und wo wollen wir hin? Ohne ehrliche Bestandsaufnahme bleibt jede Veränderung Stückwerk. Entscheidend ist dabei die Perspektive der internen Kunden: Wie wird der Personalservice aktuell wahrgenommen? Welche Erwartungen bestehen? Wo liegen die größten Schmerzpunkte? Eine Nutzendenbefragung hilft, diese Fragen systematisch zu beantworten. Sie trennt Einzelmeinungen von strukturellem Bedarf und schafft eine belastbare Datenbasis für Prioritäten. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Zielbild entwickeln, das nicht abstrakt bleibt, sondern entlang konkreter Kriterien operationalisiert wird: Woran machen wir künftig gute Servicequalität fest? Welche Standards gelten für alle? Wie lässt sich die Qualität des Services zukünftig messen und laufend evaluieren?

Schritt 2: Rollen und Verantwortlichkeiten klären

Professionelle Servicequalität erfordert Klarheit darüber, wer wofür verantwortlich ist. Welche Rolle spielt der Personalbereich? Welche Verantwortung tragen Führungskräfte in den Fachbereichen? Und innerhalb des Personalbereichs: Welche Aufgaben haben die einzelnen Funktionen? Wo liegt die Führungsverantwortung? Rollen- und Aufgabenworkshops schaffen diese Klarheit. Sie klären nicht nur formale Zuständigkeiten, sondern auch gegenseitige Erwartungen. Was schuldet der Personalbereich den Fachbereichen – und umgekehrt? Wo beginnt die Verantwortung der Führungskräfte vor Ort? Diese Klärung entlastet beide Seiten und reduziert Konflikte, die aus unausgesprochenen Erwartungen entstehen.

Schritt 3: Prozesse analysieren und Standards entwickeln

Service wird auf Prozessebene konkret. Im dritten Schritt werden die Kernprozesse des Personalbereichs im Ist-Zustand erhoben. Dabei geht es nicht um theoretische Soll-Abläufe, sondern um die gelebte Praxis: Wie funktionieren die Prozesse tatsächlich? Wo entstehen Medienbrüche? Welche Informationen werden mehrfach erhoben? An welchen Stellen blockieren unklare Zuständigkeiten? Auf dieser Grundlage werden Soll-Prozesse entwickelt, die unter realistischen Bedingungen funktionieren. Hier werden die zuvor entwickelten Rollen- und Aufgabenprofile auf Ablaufebene verankert und tragfähige Standards zur Zusammenarbeit gesetzt: Welche Informationen müssen wann in welcher Form vorliegen? Wer ist für die Übermittlung verantwortlich? Welche Vorlaufzeiten braucht es für eine überlastungsfreie Bearbeitung? Welche Fristen leiten sich daraus ab?

Soll-Prozessworkshops entwickeln diese Standards partizipativ mit allen Beteiligten. Das Ergebnis sind keine theoretischen Idealabläufe, sondern tragfähige Prozesse, die auch unter Druck funktionieren – und deren Qualität unabhängig von Einzelpersonen bleibt.

 

Change Management als Erfolgsfaktor

Die drei Schritte allein garantieren noch keinen Erfolg. Entscheidend ist die Begleitung des Wandels. Ein neues Serviceverständnis verändert Routinen, Erwartungen und oft auch die Identität des Personalbereichs. Ohne aktives Change Management entstehen Widerstände. Führungskräfte sind hier in doppelter Rolle gefordert: als Übersetzer zwischen Organisation und Mitarbeitenden – und als Vorbilder im Umgang mit Standards. Wenn Führungskräfte selbst Ausnahmen zulassen oder informelle Lösungen bevorzugen, untergräbt das jede Prozessentwicklung. Ebenso wichtig ist die Kommunikation an die internen Kunden. Neue Standards müssen erklärt, nicht nur verkündet werden. Warum ändern sich Abläufe? Welchen Nutzen haben klare Fristen? Was bedeutet das konkret für den Arbeitsalltag? Transparenz schafft Verständnis – und Verständnis schafft Akzeptanz.

 

Servicequalität als strategischer Erfolgsfaktor

Professionelle Servicequalität im Personalbereich ist mehr als eine operative Verbesserung. Sie entlastet Mitarbeitende, erhöht Rechtssicherheit, steigert Zufriedenheit auf beiden Seiten – und stärkt die Rolle von Personalmanagement als professionellem Steuerungsorgan.

Die Gesellschaft für Verwaltungsberatung begleitet Verwaltungen auf diesem Weg systematisch und praxisnah. Von der Entwicklung des Zielbilds bis hin zur konkreten Umsetzung auf Prozessebene entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen ein Serviceverständnis, das nicht nur gut gemeint ist – sondern professionell und tragfähig im Kontext Ihrer Organisation funktioniert.

Professioneller Service im Personalbereich

Warum „alles möglich machen“ auf Dauer keine Lösung ist

 

Personalbereiche in der öffentlichen Verwaltung stehen zunehmend unter Druck. Fachkräftemangel, steigende Fluktuation und wachsende Erwartungen verschärfen die Situation. In dieser Lage entwickelt sich oft ein gut gemeintes, aber strukturell problematisches Serviceverständnis: „Wir machen alles möglich, stellen keine Anforderungen, erfüllen möglichst viele Wünsche möglichst schnell.“ Was als guter Service gilt, führt jedoch zu Überlastung und Frust auf beiden Seiten.

Das Problem

Anträge werden bearbeitet, obwohl sie formlos eingehen. Standards existieren, werden aber nicht konsequent umgesetzt. Fristen und Vorlaufzeiten fehlen. Die Folgen: Rückstände, sinkende Rechtssicherheit, Mitarbeitende am Limit. Bei den internen Kunden wächst Unzufriedenheit, weil niemand weiß, woran er ist. Das Paradoxe: Wo Klarheit fehlt, sinkt Vertrauen. Wo Standards nicht greifen, entsteht Willkür.

Was Mitarbeitende wirklich erwarten

Nicht individuelle Sonderlösungen, sondern verlässliche Standards. Professionelle Servicequalität entsteht durch Klarheit, nicht durch Kulanz.

 

Der systematische Weg

Der systematische Weg zu professioneller Servicequalität führt über drei aufeinander aufbauende Schritte:

Schritt 1: Standortbestimmung und Zielbild entwickeln. Ohne ehrliche Bestandsaufnahme bleibt jede Veränderung Stückwerk. Entscheidend ist die Perspektive der internen Kunden: Wie wird der Personalservice aktuell wahrgenommen? Welche Erwartungen bestehen? Eine Nutzendenbefragung trennt Einzelmeinungen von strukturellem Bedarf und schafft eine belastbare Datenbasis. Darauf aufbauend entsteht ein Zielbild mit konkreten Kriterien: Woran machen wir künftig gute Servicequalität fest? Welche Standards gelten für alle? Wie lässt sich Qualität messen und evaluieren?

Schritt 2: Rollen und Verantwortlichkeiten klären. Professionelle Servicequalität erfordert Klarheit: Welche Rolle spielt der Personalbereich? Welche Verantwortung tragen Führungskräfte in den Fachbereichen? Rollen- und Aufgabenworkshops klären nicht nur formale Zuständigkeiten, sondern auch gegenseitige Erwartungen. Was schuldet der Personalbereich den Fachbereichen – und umgekehrt? Diese Klärung entlastet beide Seiten und reduziert Konflikte aus unausgesprochenen Erwartungen.

Schritt 3: Prozesse analysieren und Standards entwickeln. Service wird auf Prozessebene konkret. Die Kernprozesse werden im Ist-Zustand erhoben: Wie funktionieren sie tatsächlich? Wo entstehen Medienbrüche? Wo blockieren unklare Zuständigkeiten? Darauf aufbauend werden Soll-Prozesse entwickelt, die unter realistischen Bedingungen funktionieren. Soll-Prozessworkshops verankern die zuvor entwickelten Rollen auf Ablaufebene: Welche Informationen müssen wann in welcher Form vorliegen? Wer ist für die Übermittlung verantwortlich? Welche Vorlaufzeiten und Fristen sind realistisch? Das Ergebnis: tragfähige Prozesse, deren Qualität unabhängig von Einzelpersonen bleibt.

Entscheidend: Ein neues Serviceverständnis verändert Routinen und Identität. Führungskräfte müssen als Übersetzer und Vorbilder agieren. Neue Standards müssen erklärt, nicht nur verkündet werden.

 

Die GfV begleitet Verwaltungen auf diesem Weg systematisch – von der Entwicklung des Zielbilds bis zur konkreten Umsetzung auf Prozessebene.

 
Führungsverantwortung statt Scheinbeteiligung bei der Aufgabenkritik

Führungsverantwortung statt Scheinbeteiligung bei der Aufgabenkritik

Führungsverantwortung statt Scheinbeteiligung bei der Aufgabenkritik

Aufgabenkritik in Kommunalverwaltungen scheitert selten an fehlender Methodik oder mangelnder Analysekompetenz. Sie scheitert daran, dass Beteiligung falsch verstanden wird. Auf der einen Seite stehen Projekte, die ohne echte Einbindung der Mitarbeitenden durchgeführt werden und an deren Widerstand scheitern. Auf der anderen Seite stehen Projekte, die in endlosen Beteiligungsschleifen versanden, weil niemand den Mut hat, Entscheidungen zu treffen.

Die Realität: Aufgabenkritik braucht die Perspektive der Aufgabenträger zwingend – aber sie darf nicht von ihnen gesteuert werden. Diese Unterscheidung wird in der Praxis systematisch missachtet.

 

Warum Aufgabenträger die richtigen Informanten, aber die falschen Entscheider sind

Der erste Denkfehler liegt in der Annahme, dass diejenigen, die eine Aufgabe ausführen, auch am besten beurteilen können, wie wichtig sie ist. Diese Logik klingt demokratisch, ist aber irreführend. Aufgabenträger kennen ihre Aufgabe aus der Ausführungsperspektive. Sie wissen, wie viel Zeit sie kostet, wo Probleme liegen und welche Schnittstellen schwierig sind. Diese Perspektive ist wertvoll und unverzichtbar. Was sie jedoch nicht leisten können, ist die strategische Einordnung ihrer Aufgabe im Gesamtkontext der Verwaltung.

Ein Beispiel: In einer Kommune bewerteten Mitarbeitende im Berichtswesen ihre Aufgaben als „unverzichtbar“. Aus ihrer Sicht nachvollziehbar – sie investierten viel Zeit, die Berichte wurden abgefordert, Fehler hatten Konsequenzen. Eine spätere Analyse durch die Führungsebene zeigte: Die Hälfte der Berichte wurde nicht gelesen, ein weiteres Viertel diente nur formaler Dokumentation. Nur 25 Prozent waren relevant – und selbst diese hätten in reduzierter Form ausgereicht. Die Mitarbeitenden hatten nicht gelogen. Sie hatten schlicht nicht die Perspektive, um den Wirkbeitrag ihrer Aufgaben zu beurteilen. Diese Perspektive zu entwickeln ist nicht ihre Aufgabe – es ist Führungsaufgabe.

 

Das Phänomen der subjektiven Aufwertung

Ein zweites Problem liegt in der menschlichen Neigung, die eigene Arbeit als bedeutsam wahrzunehmen. Niemand möchte glauben, dass die Aufgabe, für die man täglich Zeit investiert, überflüssig ist. Diese psychologische Dynamik macht Aufgabenträger zu problematischen Bewertern des Wirkbeitrags ihrer eigenen Aufgaben. In Workshops zeigt sich dieses Phänomen regelmäßig: Mitarbeitende verteidigen ihre Aufgaben, betonen deren Komplexität und verweisen auf rechtliche Anforderungen. Selten wird eine Aufgabe als „eigentlich nicht so wichtig“ bezeichnet. Selbst bei randständigen Tätigkeiten finden sich Argumente für deren Beibehaltung. Hinzu kommt: Aufgabenträger haben oft keine Vergleichsperspektive. Sie können nicht beurteilen, ob Ressourcen, die in ihre Aufgabe fließen, woanders einen größeren Nutzen stiften würden. Diese Gesamtschau zu entwickeln ist ebenfalls Führungsaufgabe.

 

Die Verwechslung von Information und Entscheidung

Das zentrale Problem vieler Aufgabenkritik-Projekte liegt in der Verwechslung zweier unterschiedlicher Logiken: der Informationsgewinnung und der strategischen Entscheidungsfindung.

  • Beteiligung ist notwendig für bessere Informationen. Mitarbeitende wissen, was im Arbeitsalltag tatsächlich passiert. Sie kennen Zeitaufwände, versteckte Komplexitäten und informelle Arbeitsweisen. Diese operative Expertise ist unverzichtbar. Ohne sie bleibt jede Aufgabenkritik oberflächlich und realitätsfern.
  • Ein Praxisbeispiel: Ein Referatsleiter berichtet, die Bearbeitung von Fördermittelanträgen funktioniere gut – hohe Bewilligungsquote, fristgerechte Bescheide. Im Gespräch mit Mitarbeitenden zeigt sich: Zuarbeiten bleiben regelmäßig aus, informelle Absprachen kosten Zeit, Überstunden werden nicht erfasst. Die Mitarbeitenden haben Workarounds entwickelt, die funktionieren, aber nie nach oben kommuniziert werden. Ohne diese operative Perspektive hätte die Aufgabe als „läuft gut“ gegolten.
  • Führung ist notwendig für strategische Entscheidungen. Die Frage, welche Aufgaben im Zentrum des Verwaltungshandelns stehen sollten, welche Aufgaben einen hohen Wirkbeitrag leisten und welche mit reduzierten Standards bearbeitet werden können – diese Fragen sind keine Fragen operativer Expertise. Sie sind Fragen strategischer Verantwortung.

 

Viele Verwaltungen vermischen diese beiden Logiken. Mitarbeitende werden nicht nur nach Informationen gefragt, sondern auch um ihre Einschätzung gebeten, welche Aufgaben wichtig sind. Das Problem: Diese Einschätzungen werden dann als Entscheidungsgrundlage behandelt – obwohl sie strukturell nicht die notwendige Gesamtperspektive haben können.

Das Ergebnis ist vorhersehbar: Alle Aufgaben werden als wichtig eingestuft, niemand möchte seine eigene Arbeit depriorisieren. Am Ende gibt es keine echte Priorisierung, keine Ressourcenverschiebung, keine spürbaren Veränderungen. Aufgabenkritik wird zur symbolischen Übung.

 

Typische Beteiligungsfallen in der Praxis

Die Beratungspraxis zeigt immer wieder dieselben Muster, wie Beteiligung schiefläuft:

Falle 1: Endlose Konsenssuche

Führungskräfte versuchen, durch maximale Beteiligung Konsens zu erreichen. In Workshops soll gemeinsam diskutiert werden, welche Aufgaben wichtig sind. Die Hoffnung: Durch Beteiligung entsteht Akzeptanz. Die Realität: Unterschiedliche Perspektiven prallen aufeinander, ohne dass es eine klare Entscheidungslogik gibt. Am Ende einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Alle Aufgaben sind wichtig.

Falle 2: Fehlende Rollenklarheit

Mitarbeitende werden eingeladen, „mitzugestalten“ oder „Vorschläge zu entwickeln“, ohne dass klar ist, was das bedeutet. Sind ihre Vorschläge verbindlich? Wer entscheidet am Ende? Was passiert, wenn ihre Vorschläge nicht umgesetzt werden? Ohne Rollenklarheit entstehen Missverständnisse und Enttäuschungen.

Falle 3: Überforderung der Mitarbeitenden

Mitarbeitende werden aufgefordert, strategische Priorisierungen vorzunehmen oder Wirkbeiträge zu bewerten. Sie haben weder die Perspektive noch die Verantwortung für solche Entscheidungen. Diese Überforderung ist nicht nur ineffizient, sie ist auch unfair gegenüber den Mitarbeitenden.

 

Führung als Voraussetzung erfolgreicher Beteiligung

Die paradoxe Wahrheit: Beteiligung funktioniert nur, wenn Führung funktioniert. Je klarer Führung ihre Rolle ausfüllt, desto wirkungsvoller kann Beteiligung sein.

  • Führung setzt den Rahmen. Sie definiert, wo Beteiligung sinnvoll ist und wo nicht. Sie kommuniziert transparent, welche Entscheidungen partizipativ getroffen werden und welche nicht. Sie übernimmt Verantwortung für unbequeme Entscheidungen, statt sie an Teams zu delegieren.
  • Führung legitimiert Differenzierung. Wenn Standards unterschiedlich gesetzt werden, wenn Ressourcen verschoben werden, wenn Aufgaben priorisiert oder depriorisiert werden – dann müssen diese Entscheidungen begründet und vertreten werden. Diese Legitimation entsteht nicht durch Beteiligung allein, sondern durch transparente Führungsentscheidungen.
  • Führung trägt Konflikte aus. Aufgabenkritik ist konfliktträchtig. Sie berührt fachliche Identitäten, etablierte Routinen und gewachsene Zuständigkeiten. Führung muss diese Konflikte nicht vermeiden, sondern austragen. Sie muss bereit sein, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und zu verteidigen.

Viele Führungskräfte scheuen diese Verantwortung. Sie hoffen, dass Beteiligung die Legitimation schafft, die sie selbst nicht übernehmen wollen. Doch diese Hoffnung ist trügerisch. Beteiligung kann Führung nicht ersetzen – sie kann sie bestenfalls ergänzen.

 

Fazit: Beteiligung als Teil einer Führungsstrategie

Aufgabenkritik ist kein partizipatives Projekt, sondern eine Führungsaufgabe mit gezielter Beteiligung. Beteiligung ist wertvoll und unverzichtbar – aber sie kann Führung nicht ersetzen.

Die praktische Konsequenz: Beteiligung muss differenziert gestaltet werden. Erfolgreiche Aufgabenkritik nutzt die Perspektive der Mitarbeitenden dort, wo sie wertvoll ist: bei der Erfassung dessen, was tatsächlich passiert, und bei der Gestaltung der Aufgabenerledigung. Sie überträgt die Verantwortung nicht dort, wo Führung gefragt ist: bei der strategischen Priorisierung und bei der Entscheidung über Standards.

Diese Differenzierung klingt technisch, ist aber hochpolitisch. Sie etabliert eine klare Hierarchie: Mitarbeitende liefern Expertise, Führung trifft Entscheidungen. Diese Klarheit ist unbequem, weil sie Führung fordert. Sie verlangt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Konflikte auszutragen – möglicherweise gegen den Widerstand der Betroffenen. Doch genau diese Klarheit ist unverzichtbar, wenn Aufgabenkritik mehr sein soll als eine symbolische Übung.

Verwaltungen, die bereit sind, Beteiligung differenziert zu gestalten und Führungsverantwortung zu übernehmen, schaffen die Voraussetzung für nachhaltige Effizienzgewinne. Verwaltungen, die Beteiligung als Ersatz für Führung nutzen, bleiben im Status quo gefangen.

 

Warum differenzierte Beteiligung mit der GfV zu besseren Ergebnissen führt

Die GfV verbindet über 20 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Aufgabenkritik-Prozessen mit einem klaren Verständnis für die Rolle von Beteiligung und Führung. Wir wissen, wo partizipative Methoden Mehrwert schaffen – und wo sie an ihre Grenzen stoßen.

Was unseren Ansatz auszeichnet:

  • Rollengerechte Beteiligung: Mitarbeitende werden gezielt dort eingebunden, wo ihre Expertise gebraucht wird
  • Führungsunterstützung: Wir begleiten Führungskräfte dabei, ihre Verantwortung für strategische Entscheidungen zu übernehmen
  • Transparente Kommunikation: Von Anfang an ist klar, wer was entscheidet
  • Konfliktfähigkeit: Wir unterstützen dabei, notwendige Differenzierungen zu treffen und zu vertreten

Wir entwickeln keine Scheinbeteiligung, sondern schaffen die Voraussetzungen für wirksame Aufgabenkritik, bei der Beteiligung und Führung in der richtigen Balance stehen.

Führungsverantwortung statt Scheinbeteiligung bei der Aufgabenkritik

Aufgabenkritik in Kommunalverwaltungen scheitert selten an fehlender Methodik. Sie scheitert an falsch verstandener Beteiligung. Auf der einen Seite stehen Projekte, die ohne Einbindung der Mitarbeitenden durchgeführt werden und an deren Widerstand scheitern. Auf der anderen Seite stehen Projekte, die in endlosen Beteiligungsschleifen versanden, weil niemand Entscheidungen trifft.

 

Das zentrale Problem: Aufgabenträger kennen ihre Aufgaben aus der Ausführungsperspektive – Zeit, Probleme, Schnittstellen. Diese Perspektive ist wertvoll. Was sie jedoch nicht leisten können, ist die strategische Einordnung ihrer Aufgabe im Gesamtkontext der Verwaltung. Wer täglich eine Aufgabe erledigt, kann nicht neutral beurteilen, ob sie im Vergleich zu anderen Aufgaben hohe oder geringe Priorität haben sollte.

Ein praktisches Beispiel: Mitarbeitende im Berichtswesen bewerten ihre Aufgaben als „unverzichtbar“. Tatsächlich zeigte sich: Die Hälfte der Berichte wird nicht gelesen, ein weiteres Viertel dient nur formaler Dokumentation. Diese Diskrepanz entsteht nicht durch Böswilligkeit, sondern durch fehlende Gesamtperspektive.

Die Folge dieser Logik: Viele Verwaltungen verwechseln Informationsgewinnung mit Entscheidungsfindung. Mitarbeitende werden gefragt, welche Aufgaben wichtig sind – und erwarten dann, dass ihre Einschätzungen verbindlich sind. Führungskräfte wiederum hoffen, durch maximale Beteiligung Konsens zu erzeugen und Verantwortung zu vermeiden. Das Ergebnis: Alle Aufgaben bleiben gleich wichtig, nichts ändert sich.

Die Lösung liegt in der Unterscheidung zwischen zwei Logiken:

  • Beteiligung für bessere Informationen: Mitarbeitende wissen, was im Arbeitsalltag passiert. Sie kennen Zeitaufwände, Probleme und Schnittstellen. Diese operative Expertise ist unverzichtbar für jede Aufgabenkritik. Hier ist Beteiligung nicht nur sinnvoll, sondern zwingend erforderlich.
  • Führung für strategische Entscheidungen: Die Frage, welche Aufgaben im Zentrum des Verwaltungshandelns stehen sollten, ist keine Frage operativer Expertise, sondern strategischer Verantwortung. Diese Entscheidung können und sollen Mitarbeitende nicht treffen – sie ist originäre Führungsaufgabe.

Die praktische Konsequenz: Erfolgreiche Aufgabenkritik braucht beides – die operative Perspektive der Mitarbeitenden UND die strategische Verantwortung der Führung. Diese Rollen dürfen nicht vermischt werden. Mitarbeitende dort einbinden, wo ihre Expertise gebraucht wird. Führung dort einfordern, wo Entscheidungen über Prioritäten und Ressourcen getroffen werden müssen.

Diese Klarheit ist unbequem. Sie verlangt von Führung, Verantwortung zu übernehmen und möglicherweise unbequeme Entscheidungen zu treffen und zu vertreten. Doch genau diese Klarheit ist unverzichtbar, wenn Aufgabenkritik mehr sein soll als eine symbolische Übung.